Was es heißt mit Zöliakie zu leben

glutenhaltigen Auslage

Als ich meinen Blog gestartet habe, habe ich erklärt um was es sich bei Zöliakie handelt und wie es bei mir zur Diagnose kam. Heute möchte ich einmal ganz persönlich darüber schreiben, wie es sich anfühlt und wie es mir mit dieser Krankheit geht.

Der Anfang

Ich kann mich noch genau daran erinnern wie ich beim Arzt saß und er meiner Mutter und mir erklärte was für eine Krankheit ich habe. Für mich war es im ersten Moment ein Schock, ich war überfordert und spürte eine innere Leere. Der Arzt war sehr einfühlsam und versuchte uns wirklich alles genau zu erklären. Wie der Alltag mit einer lebenslangen Diät ausschaute, konnte ich mir aber nicht vorstellen.

Es war nicht nur für mich schwer sondern auch für meine ganze Familie. Am härtesten traf es vermutlich meine Mama, auch für sie änderte sich mit dieser Diagnose alles. Die ersten Tage verbrachten wir mit Recherche. Was kann ich noch essen? Wo gibt es glutenfreie Produkte? Und so weiter. Meiner Mutter besorgte sich einige Bücher und nach dem Termin bei einer Diätologin fühlten wir uns fürs erste vorbereitet.

Veränderungen in meinem Umfeld

Die erste Zeit war geprägt von Verzicht und Unverständnis. Viele Leute, wie Familie und Freunde, konnten mit Zöliakie nichts anfangen. Immer wieder musste ich erklären was ich wirklich habe und wurde gefragt was ich jetzt noch essen dürfte. Vor allem die Frage, „willst du mal kosten“oder „achja da ist ja Milch drinnen, das darfst du ja auch nicht“ – „nein, ich mag nicht kosten“ und „nein, das ist nicht das mit der Milch“ waren meine ständigen Antworten. Aber mit der Zeit wurde es besser. Ich habe mich an die Fragen gewöhnt und sie wurden auch immer weniger. Auch wenn es mittlerweile immer noch dazu kommt, dass ich gefragt werde ob ich etwas kosten mag. Die meisten aber bemerken sofort ihren „Fehler“ und eigentlich ist es ja trotzdem eine höfliche Frage, die mich mittlerweile nicht mehr stört.

Die Besuche in Restaurants wurden weniger und ein glutenfreies Brot wurde zu meinem ständigen Begleiter. Einfach so eine Jause kaufen oder schnell zu Mc Donald’s zu gehen,  gab es für mich nicht mehr. Meine Mama probierte aber viele Sachen aus, sie fing an selber Brot zu backen und in ihrer Küche gab es vorrangig glutenfreie Produkte. Es gab damals noch nicht wirklich viel zu kaufen. Reformhäuser und DM waren die einzigen Geschäfte in denen es für mich Brot, Nudeln und Mehl gab. Deshalb war die Freude umso größer wenn wir wieder mal ein neues glutenfreies Produkt fanden und dieses wurde natürlich sofort getestet.

Heute ist es viel leichter glutenfreie Produkte zu finden. Bei Billa, Merkur, Hofer (Aldi), DM und in Reformhäusern gibt es eine große Auswahl. Außerdem gibt es mittlerweile viele Kochbücher, glutenfreie Blogs und durchs Internet kann man extrem schnell, andere Zöli’s kennen lernen und sich austauschen.

Was für mich am schlimmsten ist/war?

Für mich ist es noch immer schwer Essen zu gehen. Vor allem wenn wir in Lokale gehen bei denen ich nicht im Vorfeld schon weiß, dass es glutenfreie Speisen gibt. Die komischen Blicke und Fragen sind einfach unangenehm. Wenn ich erklären muss, wo überall Gluten drinnen ist und das „ein bisschen“ immer noch zu viel ist, bin ich eigentlich schon fertig mit dem Essen.

Urlaub fahren ist der nächste Punkt, der immer zu einem kleinen Hindernislauf wird. Ich muss immer überlegen was ich alles mitnehmen muss und vorher schon Restaurants raussuchen in denen wir essen gehen. In Städten ist das mittlerweile kein Problem mehr aber anfangs sah die ganze Sache noch anders aus.

Dann gibt es da noch die Frage, was sind die Folgen wenn du etwas falsches isst. Ich glaube, keiner spricht so gerne von seiner Verdauung inklusive Durchfall, Verstopfung oder Blähungen. Deshalb ist es mir auch immer sehr unangenehm wenn ich danach gefragt werde, weil ich genau diese Beschwerden habe.

Warum es trotzdem auch positive Aspekte gibt?

Auch wenn es viele negative Dinge an Zöliakie gibt und es sich um eine Krankheit handelt, ist nicht alles daran schlecht. Mein Bewusstsein zur Ernährung hat sich dadurch extrem verändert. Ich achte viel bewusster darauf was ich zu mir nehme. Viele ungesunde Sachen, wie Burger, Pizza, usw. fallen durch die Zöliakie aus meinem Speiseplan. Ich habe angefangen viel mehr selber zu kochen und probiere immer neue Gerichte und Zutaten.

Ich habe gelernt viel mehr auf meinem Körper zu hören und bewusst darauf zu achten, was mein Körper braucht. Wenn ich merke dass ich etwas falsches gegessen habe, achte ich bewusst auf Ruhe. Ich versuche, meinem Körper so gut wie möglich das zu geben, was er braucht. So habe ich gelernt, was mir gut tut und was nicht.

Ein weitere positiver Aspekt ist, dass man neue Leute kennen lernt. Man hat irgendwie eine Gemeinschaft und kann sich austauschen. Ich hätte ohne Zöliakie viele Leute nicht kennen gelernt und bin froh, dass diese jetzt in meinem Leben sind.

Schlimm ist es, dass man oft erst durch so einen Wachrüttler merkt, was man seinem Körper jeden Tag zumutet. Ich finde man sollte schon generell viel bewusster darauf achten, was man isst. Ein Nein zu Pommes, Schnitzel, Pizza und co. ist oft ein ja zur eigenen Gesundheit.

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